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Die Stadt der Zukunft spart an ihrer Zukunft

Hamburg baut neue Quartiere, plant neue Brücken und investiert Milliarden in seine Entwicklung. Gleichzeitig soll die HafenCity Universität 2028 fast die Hälfte ihrer Grundfinanzierung verlieren. Ausgerechnet dort wird gekürzt, wo Menschen ausgebildet werden, die diese Stadt einmal planen sollen.

HafenCity Universität vor Hamburger Neubauten als Symbol für Sparpolitik gegen die eigene Zukunft

Hamburg spricht gern von der Stadt der Zukunft. Die HafenCity wächst, neue Quartiere entstehen, Verkehrsachsen werden umgebaut, der Hafen muss klimafest werden. Wohnungen fehlen, Flächen sind knapp, Sommer werden heißer und Starkregen häufiger. Stadtplanung war vermutlich selten komplizierter.

Zum Glück besitzt Hamburg dafür eine Universität.

Weniger glücklich ist, dass der Senat ihr nun das Geld kürzen will.

Die HafenCity Universität soll nach den aktuellen Haushaltsplanungen 2027 noch gut 29 Millionen Euro Grundfinanzierung erhalten. Für 2028 stehen nur noch rund 16 Millionen Euro im Plan. Hochschulgremien warnen vor einer existenziellen Krise. Rund jede fünfte Stelle könnte betroffen sein, Berufungsverfahren könnten ausgesetzt und Studienangebote eingeschränkt werden.

Der Senat nennt das Sparen.

Man könnte es auch als ungewöhnliche Form langfristiger Stadtentwicklung bezeichnen: Erst plant man Milliardenprojekte, dann spart man an den Leuten, die gelernt haben, solche Projekte zu planen.

Rücklagen sind keine Zukunft

Die Wissenschaftsbehörde argumentiert, die Kürzung sei einmalig. Die Hochschule verfüge über Rücklagen und könne diese einsetzen. Das klingt zunächst nach vernünftiger Haushaltsführung. Wer Geld auf dem Konto hat, soll nicht gleichzeitig neues verlangen.

Nur funktionieren Universitäten nicht wie Urlaubskassen.

Rücklagen entstehen etwa durch unbesetzte Stellen, verzögerte Berufungen oder verschobene Projekte. Sie können kurzfristige Lücken schließen. Sie ersetzen aber keine dauerhaft verlässliche Finanzierung.

Eine Professur lässt sich schlecht für ein Jahr einstellen und anschließend wegen Haushaltslage wieder einpacken. Studiengänge können nicht nach Kassenstand geöffnet und geschlossen werden. Forschung braucht Jahre, nicht Haushaltsquartale.

Wer laufende Aufgaben aus Rücklagen bezahlt, löst deshalb kein strukturelles Problem. Er verschiebt es.

Das ist finanzpolitisch elegant, ungefähr so wie eine Familie ihre monatliche Miete aus dem Sparbuch zahlen kann. Es funktioniert hervorragend – bis kein Sparbuch mehr da ist.

Beton gilt als Investition

Die HafenCity Universität ist klein. Rund 2.400 Studierende lernen dort Architektur, Bauingenieurwesen, Stadtplanung, Geomatik und verwandte Fächer.

Ihre Themen sind allerdings ziemlich groß.

Wie baut man bezahlbare Wohnungen? Wie schützt man Quartiere vor Hitze? Wie organisiert man Verkehr bei wachsender Bevölkerung? Wie plant man mit knappen Flächen? Wie macht man Gebäude klimaneutral? Wie schützt man eine Hafenstadt vor Hochwasser?

Das sind keine akademischen Randfragen. Es sind ziemlich genau die Probleme, für die Hamburg in den nächsten Jahrzehnten Milliarden ausgeben wird.

Trotzdem behandelt Politik Wissen häufig anders als Beton.

Eine neue Brücke gilt als Investition. Ein neues Opernhaus gilt als Investition. Eine Promenade gilt als Investition. Eine Professur erscheint im Haushalt dagegen zunächst als Personalkosten.

Der Unterschied liegt weniger im wirtschaftlichen Nutzen als in der politischen Sichtbarkeit.

Ein Gebäude lässt sich eröffnen. Man kann ein Band durchschneiden, eine Rede halten und anschließend ein schönes Foto machen.

Eine gut finanzierte Universität verhindert vielleicht erst zehn Jahre später, dass jemand eine schlechte Brücke plant.

Für Pressebilder ist das ungünstig.

Wer Fachkräfte will, sollte sie ausbilden

Deutschland diskutiert ständig über Fachkräftemangel. Ingenieure fehlen, Planungsämter suchen Personal, Bauverfahren dauern lange. Kommunen konkurrieren mit privaten Unternehmen um qualifizierte Beschäftigte.

Hamburg kennt dieses Problem besonders gut.

Es wäre deshalb eine bemerkenswerte Strategie, gleichzeitig die Ausbildungskapazitäten in genau diesen Bereichen zu schwächen.

Der politische Ablauf wäre allerdings vertraut: Heute spart man an Hochschule und Personal. In einigen Jahren stellt man fest, dass Fachkräfte fehlen. Anschließend richtet man ein Förderprogramm ein, um sie zu gewinnen.

Der Staat besitzt eine erstaunliche Fähigkeit, Probleme zunächst herzustellen und später entschlossen gegen sie vorzugehen.

Dabei geht es nicht darum, jede Universität von Sparzwängen auszunehmen. Auch Hochschulen müssen effizient arbeiten, Strukturen überprüfen und Prioritäten setzen.

Aber eine Kürzung um nahezu die Hälfte der Grundfinanzierung ist kein kleines Effizienzprogramm. Sie berührt die Fähigkeit einer Hochschule, überhaupt langfristig zu funktionieren.

Was will Hamburg mit dieser Universität?

Die HCU wurde 2006 nicht zufällig gegründet. Hamburg wollte eine spezialisierte Hochschule schaffen, die sich mit der gebauten Umwelt beschäftigt. 2014 zog sie mitten in die HafenCity – also ausgerechnet in jenes Quartier, das wie kaum ein anderes für Hamburgs Anspruch steht, Stadtentwicklung neu zu denken.

Heute könnte man fast glauben, die Hochschule habe ihren Zweck erfüllt, weil das Gebäude inzwischen steht.

Der Senat sollte deshalb weniger über Rücklagen und mehr über Strategie sprechen.

Soll Hamburg weiterhin eine eigene Universität für Architektur, Bau und Stadtentwicklung besitzen? Soll sie Forschung betreiben, Fachkräfte ausbilden und die Stadt bei ihren großen Zukunftsaufgaben begleiten?

Wenn die Antwort Ja lautet, braucht sie verlässliche Finanzierung.

Wenn die Antwort Nein lautet, sollte man das offen sagen.

Denn die Stadt wird weiter wachsen. Sie wird bauen, umbauen, entsiegeln, verdichten und Milliarden investieren.

Man kann dabei an vielem sparen.

Nur wäre es ausgesprochen hamburgisch, ausgerechnet die Zukunft der Stadt zu planen – und vorher die Planer wegzusparen.

Persönlicher Kommentar von . Zuletzt aktualisiert am 28. August 2026.
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